Abbildungsmaßstab

Der Abbildungsmaßstab hat eine Sonderstellung in der Fotografie. Manchmal ist er von herausragender Bedeutung für eine Aufnahme, manchmal wird er (zurecht) völlig vernachlässigt.

Der Abbildungsmaßstab beschreibt dabei, in welchem Verhältnis ein Objekt vor der Kamera auf dem Sensor abgebildet wird. Wird das Objekt, beispielsweise genau gleich groß abgebildet, wie es in Wirklichkeit ist, spricht man von einem Abbildungsmaßstab von 1:1.

Bei Makro-Aufnahmen ist der Abbildungsmaßstab besonders wichtig, schließlich definiert sich diese Art der Fotografie durch einen Abbildungsmaßstab von mindestens 1:2.  Heißt also: Ein 2cm großes Objekt wird mindestens 1cm groß auf dem Sensor abgebildet.
Bei Portraits oder weitwinkligen Landschaftsaufnahmen hingegen verschwendet der Fotograf keinen Gedanken an den Abbildungsmaßstab. Der Abbildungsmaßstab ist hier einfach viel zu klein um von Bedeutung zu sein.  

Um den Abbildungsmaßstab zu verstehen müssen vorerst einige Begriffe geklärt werden. Dazu wurden in das nachfolgende Bild die wichtigsten Begriffe eingezeichnet und mit Linien markiert.

Die Gegenstandsweite g beschreibt die Entfernung von Objekt zur Frontlinse des Objektivs.

Die Bildweite b ist die Entfernung von Frontlinse zum Kamerasensor.

Die Brennweite f ist die Entfernung von der Hauptebene des Objektivs zum Brennpunkt F´.

Abbildungsmassstab.jpg

Obwohl ein modernes Objektiv mehrere Linsen unterschiedlicher Stärke besitzt wird der Einfachheit halber in der Schule das optische System auf nur eine einzelne Linse reduziert.

Abbildungsmaßstab 1 zu 1

Abbildungsmaßstab 1:1

Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 ist die Gegenstandsweite gleich groß wie die Bildweite und doppelt so groß wie die Brennweite des verwendeten Objektivs.

Gegenstandshöhe = Bildhöhe

Gegenstandsweite = Bildweite.

Abbildungsmaßstäbe von 1:1 erreichen nur spezialisierte Makro-Objektive mit einer enorm kurzen Naheinstellgrenze. Je nach Objektivbrennweite (gängig sind 60mm 90/100mm und 180mm) verändert sich auch der Arbeitsabstand von (nah: 60mm zu fern: 180mm) zum Motiv.

Abbildungsmassstab_2zu1.jpg

Abbildungsmaßstab 1:2

Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:2 entspricht die Gegenstandsweite der doppelten Bildweite, es kommt also zu einer Verkleinerung.

Der x Zentimeter hohe Gegenstand wird x/2 Zentimeter hoch auf dem Sensor abgebildet.
Es findet eine Verkleinerung statt.

Gegenstandsweite g entspricht der doppelten Bildweite b.

Die Gegenstandsgröße G entspricht der halben Bildgröße B.

Diesen Abbildungsmaßstab erreichen schon relativ günstige Objektive. Dank der großen Megapixel-Zahl moderner Kameras ist ein späteres Zuschneiden auf einen Maßstab von 1:1 meist problemlos möglich.

Berechnen des Abbildungsmaßstabs

Der Maßstab wird über den griechischen Buchstaben Beta (ß) abgekürzt und lässt sich über diverse Formeln errechnen.

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Rechnung_2.jpg

Der Abbildungsmaßstab ist definiert durch das Verhältnis von Bildgröße zu Gegenstandsgröße.

Rechnung_4.jpg

Ein Fotograf muss selten den wirklich Abbildungsmaßstab errechnen. Daher ist in der Ausbildung auch oftmals eine Formelsammlung als Hilfestellung erlaubt.

Auszugsverlängerungsfaktor

Der Auszugsverlängerungsfaktor beschreibt den Faktor, um den das Licht innerhalb der Kamera-Objektiv-Kombination abnimmt. Das resultiert bei sehr großen Abbildungsmaßstäben wie 1zu1 aus den internen Verschiebung von Linsengruppen bei der Fokussierung im Objektiv. Da das Licht im Quadrat zur Entfernung an Intensität verliert kommt so am Ende des Objektivs weniger Licht an. Der Auszugsverlängerunsfaktor muss also bei der Belichtungsmessung berücksichtigt und als Lichtwert mit den Kamera- oder Lichteinstellungen ausgeglichen werden. 
1:1    tVF = (ß‘ +1)2 = (1+1)2 = 4
1:2    tVF = (ß‘ +1)2 = (0,5+1)2 = 2,25
mit beta# = Abbildungsmaßstab)


Mögliche Aufgaben:

Ein 20 Meter hohes und 30 Meter Breites Gebäude soll fotografiert werden. Errechnen Sie den Abbildungsmaßstab, wenn Ihnen eine Kleinbildkamera zur Verfügung steht und das Motiv zu den Bildrändern auf dem Sensor jeweils 2mm Abstand haben soll.