Autofokus

Der Autofokus beschreibt die Technik der Kamera, bei der automatisch auf ein Motiv scharf gestellt werden kann. Dabei wird zwischen aktivem und passiven Autofokus unterschieden.

Aktiver Autofokus

Hier wird von der Kamera aktiv die Entfernung zum Objekt mittels Ultraschall gemessen. Dazu sendet die Kamera ähnlich dem Sonar eines Delfins Schallwellen aus, die vom Motiv reflektiert werden. Aus der dafür benötigten Zeit errechnet die Kamera die notwendige Fokussierung.

Vorteil dieser Technik ist, dass sie auch in absoluter Dunkelheit funktioniert undzuverlässige Ergebnisse liefert. Anders sieht es bei durchsichtigen Oberflächen, Spiegeln oder aber zu großer Entfernung zwischen Kamera und Motiv aus.

Passiver Autofokus

Die weit verbreitete Technik des passiven Autofokus benötigt immer eine gewisse Helligkeit. Mittlerweile haben sich drei Arten der passiven Fokussierung etabliert.

1. Kantenkontrastmessung

Bei dieser Methode variiert die Kamera solange den Fokus, bis Hell-Dunkel-Konturkanten den deutlichsten Helligkeitsunterschied aufweisen. Dies ist, per Definition, die maximale Schärfe an dieser Kante.

Dabei muss die Kamera aber ständig fokussieren und defokussieren, um das Motiv korrekt scharf zu stellen. Das geht zu Lasten der Batterie.

2. Phasenvergleich

Bei Fokussierung mittels Phasenvergleichs wird ein zusätzlicher Sensor benötigt. Auf diesem liegen zwei Sensorzeilen nebeneinander. Beide Zeilen liefern jeweils ein halbes Bild, das in der Mitte eine Kante aufweist. Ein Rechner vergleicht beide Bilder und fokussiert das Motiv solange, bis die beiden Bilder nahtlos ineinander übergehen.

Dafür benutzen Kameras eine Mischung aus Linien- und Kreuzsensoren. Liniensensoren sprechen dabei auf Kanten an, die parallel zum Sensor liegen. Da gerade bei flächigen Motiven diese Sensoren versagen kombinierte man zwei Liniensensoren zu einem Kreuzsensor, der sowohl querliegende als auch flach in den Raum ragende Kontrastkanten erkennt und scharfstellen kann.


Wann versagt der Autofokus?

Blauer-Frosch-auf-Ast.jpg

Sehr kleinteiliges Motiv

Sobald das Motiv aus mehreren Ebenen besteht und das Autofokussystem nicht mehr unterscheiden kann, welches die Motivebene ist scheitert automatisch auch das Autofokussystem. Bei diesem Motiv stellte die Kamera abwechselnd auf die Laterne, das graue Haus und die im Spiegel erkennbare Kirche scharf. Erst die manuelle Schärfeeinstellung brachte den gewünschten und reprodu­zierbaren Erfolg, indem direkt auf die graue Häuserfassade fokussiert wurde.

Glas

Glas / halbdurchsichtige Oberflächen

 

Der Autofokus springt zwischen Motiv und Glasscheibe hin und her, da er teil­weise die Glasscheibe und teilweise die Fische im Wasser als Motiv ansieht.

Bunte Feder

Zu wenig Kontrast im Motiv / Dunkel

Das Autofokussystem braucht genügend Licht um korrekt scharf zu stellen. Fehlt dieses Licht oder hat das Motiv zu wenig Kontrast (Graukarte) fokussiert die Kamera nicht korrekt. Im Studio kann dieses Problem mit dem Einschal­ten des Einstelllichtes oder des bei Zimmerlicht durchgeführten Fokussieren umgangen werden. Im Außeneinsatz oder bei Nachtshootings helfen Taschen­lampen, das Motiv kurzfristig zu beleuchten um dann manuell scharf zu stellen.

Ein Objektiv bietet, sofern es einen Autofokus besitzt, auch immer die Möglichkeit, diesen zu deaktivieren. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Kamera auf einem Stativ montiert ist, also von vorneherein sehr stabil steht. Gerade bei Langzeitbelichtungen wirkt sich ein aktivierter Autofokus extrem auf die Bildschärfe auf, denn obwohl die Kamera still auf dem Stativ ruht bewegt sich der stabilisierende Motor immer wieder ruckartig hin und her. Die Folge sind Verwacklungsunschärfen.