Bildstabilisator

Der Bildstabilisator sorgt mittels Mikromotoren und einer beweglich gelagerten Linse im Objektiv dafür, das Bild frei von Verwacklungsunschärfen durch den Fotografen zu halten.

Um die Wirkungsweise eines Bildstabilisators zu verstehen muss zunächst der Begriff “Freihandgrenze” klar sein. Das ist die Grenze der Verschlusszeit, bei der ein Fotograf ohne Hilfsmittel ein scharfes, nicht verwackeltes Bild produzieren kann. Die Freihandgrenze ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen von Gewicht und Handlichkeit der Kamera, zum anderen aber auch von Haltung des Fotografen sowie der verwendeten Brennweite.

Als Faustregel für eine verwacklungssichere Aufnahme sollte für die Verschlusszeit ein Wert von mindestens 1 / Brennweite gewählt werden. Das bedeutet, bei einem 50 Millimeter Objektiv reicht eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde - bei einem 200 Millimeter Tele-Objektiv sollten es dagegen mindestens 1/200 Sekunden sein.

Ein Bildstabilisator kann kleine Verwacklungen durch den Fotografen ausgleichen und somit die Freihandgrenze deutlich verlängern. Mittlerweile können moderne Kameras bis zu 5 Lichtwerte längere Belichtungszeiten ermöglichen. Das bedeutet, wenn der Fotograf 1/250 Sekunde aus der Hand verwacklungsfrei halten kann, gleicht der Bildstabilisator Verschlusszeiten bis zu 1/8 der Sekunde bewegungsfrei aus.

Dazu ist im Objektiv eine bewegliche Linse eingebaut, die mittels Mikromotoren bewegt werden kann. Diese Bewegungen erfolgen immer entgegengesetzt der Verwacklungsrichtung des Fotografen. Die gegenläufigen Bewegungen gleichen sich aus, das Bild bleibt ruhig.

Moderne spiegellose Systemkameras gehen sogar noch einen Schritt weiter und lagern den Sensor selbst beweglich. Die Verwacklungen werden also nicht mehr im Objektiv ausgeglichen, sondern direkt am Sensor selbst.

unstabilisiert_1.jpg
stabilisiert_1.jpg

Verwacklungen wirken sich je nach Brennweite unterschiedlich aus. Während Verwacklungen bei Weitwinkelaufnahmen aufgrund des sehr großen Bildwinkels eher selten auftreten sollte man besonders bei Tele-Brennweiten ab 85 Millimetern aufpassen. Als Beispiel wurde ein Blumenbeet mit einem 105 Millimeter Makro-Objektiv fotografiert. Beide Aufnahmen entstanden aus der Hand mit 1/100 Sekunde Verschlusszeit. In der ersten Aufnahme ohne Bildstabilisator ist eine deutliche Verwacklungsunschärfe zu sehen. Auf dem zweiten Bild wurde der Bildstabilisator des Objektivs aktiviert - so konnten Bewegungen des Fotografen ausgeglichen werden und die Pflanze wurde scharf abgebildet.

Jeder Hersteller verwendet bei seinen Objektiven eine eigene Abkürzung für das Vorhandensein eines Stabilisators.

Hier sind die gängisten aufgelistet:

Canon: IS (Image Stabilizer)

Nikon:VR (Vibration Reduction)

Sigma: OS (Optical Stabilizer)

Tamron: VC (Vibration Compensation)

Sony: OSS (Optical SteadyShot)

Übrigens: Der Bildstabilsator bekommt die Informationen über Verwacklungen über kleine Gyroskop-Sensoren im Objektiv. Diese melden jede Bewegung und sorgen dafür, dass diese ausgeglichen werden kann. Gyroskope melden beispielsweise auch in Smartphones, ob es hochkant oder quer gehalten wird. Da diese kleinen Gyroskope im Objektiv nie stillstehen sondern sich ständig drehen und Messdaten liefern kann es sein, dass sie Bewegungen der Kamera melden, obwohl diese still auf einem Stativ steht. Der Bildstabilisator gleicht diese vermeintlichen Bewegungen aus und sorgt dann dafür, dass die Aufnahme leicht verwackelt. Daher gilt: Steht die Kamera auf einem Stativ - unbedingt den Bildstabilisator ausschalten.