Blende

Die Blende ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel für Fotografen. Durch Öffnen und Schließen der Blende im Objektiv bestimmt der Fotograf die räumliche Ausdehnung der Schärfentiefe und damit, wie unscharf der Hintergrund im Bild ist.

Die Blende ist ein mechanisches Konstrukt im Objektiv und besteht meistens aus 8-12 einzelnen, sichelförmigen Lamellen. Diese bilden durch Überlappen ein mehr oder weniger kreisrundes Loch in ihrer Mitte, durch das dann das Licht auf den Sensor fällt.

Die Blendenzahl ist dabei Teil der internationalen Blendenreihe:

1 – 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32

Früher teilte man die Schritte zwischen diesen Blenden in Drittel-Werte (Beispielsweise f/4 1/3) ein. Seit dem digitalen Zeitalter werden die Drittel durch die entsprechenden Dezimalzahlen dargestellt. Die vollstände Blendenreihe lautet also folgendermaßen:

1 - 1,1 - 1,2 - 1,4 - 1,6 - 1,8 - 2 - 2,2 - 2,5 - 2,8, - 3,2 - 3,5 - 4 - 4,5 - 5 - 5,6 - 6,3 - 7,1 - 8 - 9 - 10 - 11 - 13 - 14 - 16 - 18 - 20 - 22 - 25 - 29 - 32

Etwas Kreuzdenken ist bei der Größe der Blende angesagt. Eine kleine Blendenzahl bedeutet eine weit geöffnete Blende, eine große Zahl dagegen eine geschlossene oder kleine Blendenöffnung. Das liegt daran, dass die Blende eigentlich ein Verhältnis von Öffnungsdurchmesser des Objektivs zu Brennweite angibt.

Der Blende kommt als wichtigstes Gestaltungsmittel der Fotografie eine besondere Bedeutung zu. Sie entscheidet die Größe der Schärfentiefe und demnach, wieviele Bereiche in der Aufnahme scharf abgebildet werden. So ist die Schärfentiefe bei kleinen Blendenzahlen wie 2,8 sehr kurz, bei hohen Zahlen wie 16 viel größer.

Als Beispiel denkt man sich einfach ein Lineal, das von der Tischkante bis zur Tischmitte reicht. Wird dieses Lineal mit einer offenen Blende, etwa 2,8 fotografiert, sind nur die ersten 10 Zentimeter scharf abgebildet. Der restliche Teil des Lineals ist unscharf. Wird nun auf Blende 16 abgeblendet, vergrößert sich damit die Schärfentiefe und das ganze Lineal wird scharf abgebildet.

Diesen Effekt nutzen Fotografen um ein Motiv vor einem Hintergrund freizustellen. Bei diesem Beispiel wurde die Blende so gewählt, dass Model und fliegende Blätter scharf abgebildet werden, der unruhige Hintergrund aber in Unschärfe versinkt. So wirkt das Bild trotz des unschönen Hintergrunds harmonisch.

Die Blende beeinflusst zusätzlich noch die Qualität der Schärfe im Bild. Als Faustregel gilt, ein Objektiv liefert die beste Schärfe bei zweimaligen Abblenden. Ein Objektiv mit der Anfangsblende f2,8 liefert demnach bei 5,6 seine optimale Schärfe.

Dieses Abblenden ist aber nur bis zu einem bestimmten Wert sinnvoll. Je weiter die Blende geschlossen wird, desto eher trittBeugungsunschärfe auf. Diese resultiert dann in ein leicht unschärferes Bild. Die Blende, bei der diese auftritt ist je nach Objektiv unterschiedlich, als Faustregel gilt: Ab Blende 16 wirkt sich die Beugungsunschärfe extrem auf die Bildschärfe aus. Es empfiehlt sich daher, diese zu vermeiden. 

Bei der Blende unterscheiden sich oft professionelle Objektive von Einsteiger- oder Billigoptiken.

Professionelle Linsen besitzen eine durchgängige Lichtstärke, das bedeutet die Blende ändert sich nicht bei Rein- oder Rauszoomen des Objektivs. Das erkennt man anhand der Objektivbeschreibung.

Das Canon 24-70 f2,8 besitzt sowohl bei 24 Milimetern als auch bei 70 Millimetern Brennweite die Offenblende 2,8.

Das billigere Canon 18-55mm 1:3,5-5,6 hat bei 18 Millimetern eine Offenblende 3,5, zommt man aber bis auf 55 Millimeter heran verringert sich diese auf 5,6. 

Das hat besonders große Konsequenzen in Bezug auf die Bildgestaltung. Möchte man mit diesem Objektiv ein Motiv vor einem unruhigen Hintergrund freistellen muss eine offene Blende gewählt werden. Möchte man aber gleichzeitig mit 55 Millimetern fotografieren stößt man breits auf das erste Problem, da die Offenblende nur noch 5,6 beträgt.

Ein Objektiv mit durchgängiger Lichtstärke erlaubt es daher, auch bei längeren Brennweiten mit offenen Blenden zu fotografieren.