Der Reiz des Analogen?

Die Analogfotografie müsste eigentlich nur noch in verstaubten Lehrbüchern zu finden sein. Zu stark überwiegen vermeintlich die Vorteile der digitalen Bildaufzeichnung. Sie ist billiger, schneller, bietet mehr Möglichkeiten während und nach der Aufnahme. Doch entgegen aller Vorteile des Digitalen lebt die analoge Fotografie weiter. Und zwar nicht als kleiner, unbedeutender Randbereich der Fotografie sondern als beständiger Markt, der nicht nur durch nostalgische Fotografen älteren Baujahrs getrieben wird - Stattdessen springen auch immer mehr junge Fotografinnen und Fotografen auf den analogen Zug auf und fotografieren, ganz klassisch, mit Film.

IMG_0139.JPG

Magdalena ist eine solch junge Fotografin, die mit mir zusammen die Ausbildung zum Fotografen durchlaufen hat und mich schon 2015 mit ihrem Hang zur Analogfotografie überrascht und sehr beeindruckt hat. In den nachfolgenden sechs Fragen gibt Magdalena einen kleinen Einblick in ihre Analogfotografie. 

 

1. Was reizt dich so sehr an der analogen Fotografie? 

Es sind die kleinen Fehler, die diese Art der Fotografie besonders lebendig macht. Das Analoge ist nicht so aalglatt wie die superscharfe Digitalfotografie, sondern bewahrt sich etwas Mystisches. Im Digitalen findet meines Empfindens nach ein viel zu großer Teil der Arbeit am Computer statt. Bei der Analogfotografie muss man nachdenken, bevor man auf den Auslöser drückt, man studiert das Licht, setzt den Ausschnitt, wartet auf den perfekten Moment. Hier kann man den Moment, in dem das Bild entsteht noch miterleben und fühlen, anstatt einfach draufzuhalten, um am Schluss das „perfekte“ Bild aus Hunderten auszuwählen.

IMG_0151.JPG

2. Für unsere Technik-Freunde: Mit was fotografierst du und welche Filme nutzt du dabei am liebsten? 

Ein grosser Vorteil der analogen Fotografie: Mittelformat ist erschwinglich! Ich fotografiere aktuell mit einer Hasselblad 503cw, da ich das 6x6-Format liebe. Ich nutze dabei das Zeiss 80mm Planar f2.8. Gerne arbeite ich auch mit der Mamiya RB67 und habe mir extra für Reisen eine Pentax 67 gekauft. Außerdem fotografiere ich unheimlich gerne mit der Nikon F3 Kleinbildkamera. Ich fotografiere gerne mit Ilford FP4, Ilford HP5 sowie Kodak TriX. Mein liebster Farbfilm ist der Kodak Portra 400.

3. Selber entwickeln oder entwickeln lassen? 

Schwarzweiss entwickle ich gerne selbst, Farbe lasse ich lieber entwickeln. Beim Labor meines Vertrauens (Flash Fotolabor München, Hohenzollernstr.) kann man aber auch top schwarzweiss Entwicklungen machen lassen.

IMG_0141.JPG

4. Was würdest du jemanden raten, der mit analoger Fotografe starten möchte? 

Unbedingt machen! Sich Zeit nehmen, man arbeitet in einem anderen Rhythmus. Aber genau das ist ja das Schöne. Viel ausprobieren, kreativ sein! Um sich mit der analogen Fotografie vertraut zu machen, kann man sich auch erstmal für 50€ eine Kleinbildkamera holen. Hauptsache machen!

5. Wenn du dich zwischen Analog und Digital entscheiden müsstest, was würdest du wählen? 

Am liebsten analog! Ich fotografiere natürlich auch digital, möchte jedoch mehr und mehr Projekte analog umsetzen. 

IMG_0144.JPG

6. Erledigst du auch Kundenaufträge analog und was sagen deine Kunden dazu? 

Das geht leider fast nie, weil einem keiner die überdimensional lange Arbeitszeit bezahlt und der kommerzielle Kunde immer gestochen scharfe, farblich einwandfreie Aufnahmen und eine perfekte Bildretusche verlangt. In der künstlerischen Fotografie ist das umgekehrt, da ist analog fast schon ein Muss. Daher nutze ich die analoge Fotografie hauptsächlich für meine persönlichen Projekte, die ich dann ausstelle und in limitierter Stückzahl verkaufe. 

IMG_0142.JPG

An dieser Stelle vielen Dank an Magdalena für die Antworten den Einblick in deine analoge Arbeiten!

In jedem Fall ist die Analogfotografie eins der spannendsten Felder für mich, auch oder gerade weil ich noch überhaupt keine Erfahrungen mit Film gemacht habe. Ich weiß nicht, wie es euch geht aber Magdalenas Bilder sind für mich etwas besonders. Sie zeigen, dass in der Fotografie nicht die Technik oder die Art der Bildspeicherung zählt, sondern alleine der Fotograf hinter der Kamera. Beweist dieser ein Gespür für Licht, Model, Pose und Ambiente entstehen tolle Bilder, egal ob digital oder analog - eine Tatsache, die wir uns alle immer wieder in‘s Gedächtnis rufen sollten.

Möchtest du mehr über Magdalenas Projekte erfahren, dann klicke hier magdalenamenzinger.com

IMG_0152.JPG

Alle Bilder sind Eigentum von Magdalena Menzinger und dürfen weder gespeichert noch geteilt werden!