MacBook, Surface Book oder iPad Pro

Viele Fotografen, darunter auch ich, schließen die Kamera auch während des Fotografierens an einen Laptop oder PC an. Mit Programmen wie Capture One oder Adobe Lightroom lassen sich durch dieses „Tethered Shooting“ (engl: tethered = angebunden) die gemachten Bilder direkt auf dem großen Bildschirm des Gerätes anzeigen und betrachten. So können sowohl Fotograf als auch Model die Aufnahmen direkt sichten, bewerten und wo nötig noch verbessern.  

Foto: Microsoft - Das Surface Pro 2 war lange Zeit mein treuer Begleiter bei jedem Fotoshooting.

Foto: Microsoft - Das Surface Pro 2 war lange Zeit mein treuer Begleiter bei jedem Fotoshooting.

Ein treuer Begleiter 

Dafür nutzte ich seit 2013 mein Surface Pro 2 - ein Windows-Tablet mit ansteckbarer Tastatur und Stiftbedienung.  Darauf liefen die besagten Programme Capture One und Lightroom, mit denen ich während des Shootings bei Kunden vor Ort durch die Bilder schauen konnte. Zur Bearbeitung übertrug ich die Bilder dagegen vom Surface auf einen USB-Stick und von dort auf meinen Apple iMac von 2011. Alleine dieser Prozess schluckte, dank des langsamen USB-2 Anschlusses sehr viel Zeit, die ich untätig vor dem Rechner saß und beim Kopieren zusah. Doch nicht nur das ständige Kopieren fraß Zeit. Auch die Bedienung des Surface wurde (fast schon Windows-Typisch) immer langsamer. Irgendwann konnten die klein bemessenen vier Gigabyte Arbeitsspeicher nicht mehr mit den enormen Dateigrößen moderner Kameras Schritt halten und die 128 Gigabyte große Festplatte war bereits mit den installierten Programmen voll. 

Surface - deine Zeit ist gekommen 

Glaubt mir, für mich gibt es nichts ärgerlicheres, als wenn Technik nicht funktioniert. Eigentlich sollte mir ein Laptop, eine Kamera oder ein Smartphone das Leben erleichtern und mir zu einer höheren Lebensqualität verhelfen. Irgendwann kommt aber für jedes technische Gerät der Zeitpunkt, an dem die Wartungsarbeit und -Zeit in keinem Verhältnis mehr zur eigentlich vorgesehenen Nutzung steht. Und dieser Punkt war für mich nach fast fünf Jahren Surface Pro 2 erreicht. Schweren Herzens fasste ich den Verschluss, mich nach einem neuen Notebook umzuschauen.

Nach einiger Recherche kamen drei Alternativen auf, die ich euch im folgenden vorstellen möchte. 

1. Das MacBook Pro - Die Allzweckwaffe eines jeden Kreativen

Natürlich dachte ich, wie vermutlich alle vor dieser Wahl stehenden zuerst an Apples MacBook Pro. Viel Leistung, eine hervorragende Verarbeitung und ein lange performantes Gerät zeichnen seit jeher die Notebooks der Apfel-Marke aus. Tatsächlich ist es mir schon häufiger passiert, dass mich Kunden beim Anblick meines Microsoft Surface Pro 2 fragen: „Wie? Hat es für ein MacBook nicht gereicht?“

Vielleicht erwarten mittlerweile Kunden sogar, dass ihr Fotograf mit dem teuersten Apple-Rechner auftaucht. Genauso erwarten es Kunden ja, dass die Kamera des Fotografen doch bitte schön moderner, besser und größer ist, als die die sie selbst zuhause haben? Aber das ist ein anderes Thema. 

Mein Problem mit Apples MacBook Pro ist seit jeher der Preis, der in keinem Verhältnis zur angebotenen Leistung steht. Mit dem Intel Core i7 Prozessor, den unbedingt notwendigen 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und der 512 Gigabyte großen SSD lag der Gesamtpreis des MacBooks bei über 2500 Euro. Und da sind die, dank ausschließlich USB-C Ports benötigten Adapter noch gar nicht einberechnet. Klar, man zahlt das Design, das Betriebssystem, den Service und nicht zuletzt den Namen Apple mit. Und es gibt auch genügend Menschen, die bereit sind, diesen Preis zu bezahlen. Ich gehöre aber nicht zu dieser Gruppe.

Foto: Microsoft - Surface Book 2

Foto: Microsoft - Surface Book 2

2. Das Surface Book - Highend-Klasse von Microsoft

Interessanterweise stellte Microsoft, das früher nicht wirklich für gute Hardware bekannte US-Unternehmen ebenfalls einen Highend-Laptop vor, der sich primär an Kreative richtet. Das Surface Book kommt mit i7, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte großer SSD daher und wird zusätzlich sogar von einer ausgewachsenen Nvidea Grafikkarte unterstützt. Klingt nach dem perfekten Gerät für Bildgestalter. Doch auch das Surface Book hatte für mich einen Haken. Mit iMac, iPhone und iPad war ich bereits stark im Ökosystem von Apple unterwegs. Alle Dateien synchronisierten sich über die iCloud, die wichtigsten Programme habe ich bereits für meinen iMac heruntergeladen und auch sonst nutzte ich die vielen Vorteile des nahtlosen Zusammenspiels all meiner Geräte. Ich hatte bereits mit meinem Surface Tablet die Erfahrung gemacht, wie schwer es manchmal sein kann, einen Windows-Laptop in ein Apple-Ökosystem einzubinden (oder auch umgekehrt). Da werden Dateien nicht erkannt, USB-Sticks regelmäßig so formatiert, dass sie nur ein Betriebssystem lesen kann und auch sonst waren die Umstellungen (etwa bei Tastenkürzeln in Photoshop) einfach zu kompliziert für einen gut funktionierenden Workflow.

Beeindruckend - Das iPad Pro mit 12,9 Zoll neben dem iPad Air mit 9,7 Zoll und einem iPhone X mit 5,8 Zoll Displaydiagonale.

Beeindruckend - Das iPad Pro mit 12,9 Zoll neben dem iPad Air mit 9,7 Zoll und einem iPhone X mit 5,8 Zoll Displaydiagonale.

3. Das iPad Pro - Überraschend performant

Warum ein iPad, wenn man ein MacBook haben kann? Weil es genau das kann, was ich brauche. Das iPad Pro ist in der großen 12,9 Zoll Version gerade noch portabel, handlich und vor allem extrem schnell. Und wenn ich schnell schreibe, dann meine ich auch schnell. Apps öffnen quasi ohne Verzögerung, Multitasking funktioniert nahtlos und dank USB-3 Standard werden auch Dateien blitzschnell übertragen.

Das iPad Pro besitzt ein extrem gutes Display mit einem großen Farbraum. Ideal also, um auch unterwegs Bilder zu bearbeiten.

Und es ist günstig(er) als die Konkurrenz. Das voll ausgestattete iPad Pro mit 512 Gigabyte großem Speicher kostet aktuell knapp über 1000 Euro. Mit Typecover, Pencil und dem für Fotografen notwendigen SD zu Lightning Adapter kommen nochmal rund 300 Euro oben drauf. Macht einen Anschaffungspreis von runden 1500 Euro. Immer noch 1000 Euro günstiger als ein MacBook.

Der größte Nachteil des iPads ist, dass keine „normalen“ Programme darauf installiert werden können. Alles muss über Apps funktionieren. Bedeutet für den Fotografen: Kein vollständiges Photoshop, kein vollständiges Lightroom.

Mittlerweile nehmen sich aber immer mehr Software-Hersteller der Sache an und entwickeln Apps mit enormen Funktionsumfang. So läuft die RAW-Entwicklung über Lightroom-Mobile, alle tiefergehenden Bearbeitungsschritte samt Ebenen, Retuscheworkflows und HDR-Funktionen über Affinity Photo.

Das iPad-Pro mit dem Apple Pencil eignet sich überraschend gut zur Bildbearbeitung.  

Das iPad-Pro mit dem Apple Pencil eignet sich überraschend gut zur Bildbearbeitung.  

Der Apple Pencil - gut investierte 100 Euro

Gerade für letzteres ist der Apple Pencil einfach genial. Der Stift wird einmalig über Bluetooth mit dem iPad gekoppelt und läuft ab diesem Zeitpunkt problemlos. Das Zeichnen passiert quasi in Echtzeit, es werden verschieden Druckstufen und sogar Haltewinkel erkannt. Durch den extrem guten Touchscreen spart sich der Fotograf also zusätzlich noch ein Grafiktablet und zeichnet, anders als bei den günstigeren Grafiktablets direkt auf dem Bild. Die Bearbeitung macht mir so endlich wieder extrem viel Freude. Ich konnte mich nie mit den Grafiktablets von Wacom und Co anfreunden. Entweder, ich schaue auf den Bildschirm, dann sehe ich nicht, was der Stift macht oder ich schaue auf den Stift, dann sehe ich nicht was gerade auf dem Bildschirm passiert. Noch dazu war ich, zugegebenermaßen, einfach zu langsam. Das ständige Aufnehmen und Ablegen des Stiftes, der Positionswechsel zur Maus und wieder zurück, all das kostet Zeit und macht nicht wirklich Spaß. Mit dem Apple Pencil sind die Bewegungen des Stifts und die Aktionen auf dem Bildschirm auch optisch wieder direkt gekoppelt und das Arbeiten auf dem Bild führt meiner Meinung nach zu einer deutlich schöneren Interaktion zwischen dem Fotograf und seiner Aufnahme.

Mein Fazit

Ich habe den Kauf meines iPads nicht bereut und ich würde es definitiv wieder kaufen. Die Möglichkeit, auf der Terasse sitzend gemütlich Bilder zu bewerten, RAWs zu entwickeln und sogar die Retusche mit dem hervorragenden Apple Pencil durchzuführen ist genial.