Die Abschlussprüfung naht - Was tun?

Drei Jahre Ausbildung neigen sich langsam dem Ende entgegen. Bei den meisten Azubis waren es drei sehr schöne Jahre, in denen viel gelernt wurde - andere haben sich etwas durch die Ausbildung gequält. Eines ist jedoch für alle gleich: Am Ende der Ausbildung steht allen noch der große Brocken „Abschlussprüfung“ bevor. Und wie ich auch werden wohl die meisten Azubis davor großen Respekt, um nicht zu sagen, Angst haben. Warum die meiner Meinung nach aber absolut unbegründet ist, das lest ihr in den folgenden Zeilen. 

Eines meiner drei freien Gesellenstücke in meiner Abschlussprüfung

Eines meiner drei freien Gesellenstücke in meiner Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung zum Fotografen besteht in Oberbayern aus drei Teilen. Einem theoretischen Teil aus der Beurfsschule (schriftliche Aufgabenstellungen), einem praktischen Teil im Betrieb (drei Prüfungsstücke) sowie einer praktischen Arbeitsaufgabe unter Aufsicht. Die gute Nachricht kommt gleich vorneweg: Auf alle drei Teile kann man sich schon vor der eigentlichen Prüfung sehr gut vorbereiten. 

Ablauf und Inhalte der Gesellenprüfung 

Der Startschuss für die Abschlussprüfung fällt mit dem theoretischen Teil. Hier wird bei den „schriftlichen Aufgabenstellungen“ das in der Schule vermittelte Fachwissen im Bereich „Darstellung und Analyse fotografischer Prozesse“ abgefragt. So ist vom Rechnen mit Dateigrößen über konkrete Aufnahmesituationen (z.B. Wasserfall fotografieren) bis zu einem großen Teil „Bildgestaltung“ alles dabei und auch alles möglich. Die jungen Azubis beantworten die Fragen dabei schriftlich, meist mit Stichworten innerhalb von 240 Minuten. Dazu kommt die zweite schriftliche Prüfung im Fach Sozialkunde mit 60 Minuten Länge. In Oberbayern ist die theoretische Prüfung dabei auf zwei Tagen aufgeteilt.

Ein Gesellenstück aus der Prüfungsaufgabe „Produkt in Verbindung mit zwei Menschen“ 

Ein Gesellenstück aus der Prüfungsaufgabe „Produkt in Verbindung mit zwei Menschen“ 

Ist die Theorie geschafft geht es direkt weiter mit dem praktischen Teil, den Prüfungsstücken. Die zu fotografierenden Motive werden den Azubis dabei mit Ende der Theorie mitgeteilt. Ab diesem Zeitpunkt haben die Prüflinge 14 Tage und  maximal 20 Stunden Zeit, die Aufnahmen anzufertigen. Meist sind dabei zehn Aufnahmen zu machen, fünf aus dem eigenen Schwerpunktbereich (bei mir Werbe-/Produktfotografie), zwei aus einem anderen Bereich (bei mir Portraitfotografie) sowie drei Aufnahmen mit einem selbst gewählten Thema (bei mir die TISSOT Armbanduhr). Die Bilder müssen dann ausbelichtet (oder ausgedruckt) und auf Platten aufgezogen werden, um von der Prüfungskommision beurteilt werden zu können.  

Den Abschluss bildet dann die Arbeitsaufgabe „Anwendung fotografischer Aufträge“ in der Berufsschule, bei der ein oder zwei Aufnahmen eines Motivs angefertigt und bearbeitet werden müssen. Dabei stehen die Azubis „unter Beobachtung“ - sie sollen also zeigen, dass Sie Kamera und Blitzgeräte richtig bedienen und ein Bild bearbeiten und abgeben können.  

Haben die Azubis es bis hierhin geschafft steht nur noch die Präsentation des freien Themas an. Hier stellen die Prüflinge kurz ihre Bilder vor, erklären kurz ihr Vorgehen und beantworten ein paar Fragen der Prüfer. Im Grunde genommen ähnelt dieser Teil der Abschlussprüfung einem kleinen Referat.

Die Aufnahme aus dem Prüfungsbereich Portraitfotografie: „Fahrradfahrer in Action“ 

Die Aufnahme aus dem Prüfungsbereich Portraitfotografie: „Fahrradfahrer in Action“ 

Vorbereitung ist alles!

Zur theoretischen Prüfung kann ich sagen: Jeder, der die drei Jahre Ausbildung sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule nicht komplett verschlafen hat kann diesen Teil der Abschlussprüfung locker bestehen. Das Interesse an der Fotografie natürlich vorausgesetzt. Die Ausbildung zum Fotografen ist nach wie vor eine handwerkliche Ausbildung - das heißt der junge Fotograf sollte sich mit den verschiedenen Techniken hinter der Fotografie auskennen. Wird zum Beispiel in der Prüfung gefragt: „Wie fotografieren Sie einen spielenden Hund auf der Wiese?“  - so sollte der Prüfling idealerweise nicht „mit einer Langzeitbelichtung“ antworten. Natürlich gibt es Fragen, für die man durchaus lernen sollte. „Wie lange brauchen 250 Bilder mit jeweils 20 Megapixel Auflösung, um per 16.000 DSL Geschwindigkeit zum Kunden zu kommen.“ scheint zwar zunächst für die fotografische Praxis unwichtig, hilft aber dabei, ein Gespür für die Dateigrößen und Übertragungsgeschwindigkeiten zu bekommen.

Tatsächlich finden sich in der theoretischen Prüfung durchaus Parallelen zur dualen Ausbildung, also dem Unterricht in der Berufsschule und der praktischen Ausbildung im Betrieb. In der Prüfungsordnung der Handwerkskammer für München und Oberbayern liest sich das so:

“Innerhalb des Prüfungsbereichs sind in insgesamt vier Stunden fallbezogene Aufgaben schriftlich zu bearbeiten.“  

Der Fokus liegt also ganz klar auf fallbezogen. Die beste Vorbereitung auf die theoretische Abschlussprüfung ist meiner Meinung ganz klar: Fotografieren. Und damit meine ich bewusstes Fotografieren. Oftmals wissen Fotografen ganz intuitiv, dass man bei einem Portrait die Blende etwas öffnen kann um das Model vor dem Hintergrund freizustellen. Bei der theoretischen Prüfung geht es darum, dieses Wissen in Worten ausdrücken zu können.

Auch ist es hilfreich, etwas um die Ecke denken zu können. Wenn die Prüfungsaufgabe etwas mit Langzeitbelichtungen zu tun hat, dann sollten neben „langer Verschlusszeit“ eben auch die Wörter „Stativ“, „Bildstabilisator“ und „Selbstauslöser“  in der Antwort auftauchen. 

Auch die Arbeitsaufgabe in der Schule lässt sich sehr gut vorbereiten. Schließlich bekommen die Azubis bereits bei der theoretischen Prüfung mitgeteilt, was sie nach Abgabe der zehn Gesellenstücke  in der Berufsschule fotografieren und bearbeiten sollen (bei mir war es ein Feuerzeug). Genügend Zeit also für die Prüflinge, diese Aufnahmen solange vorher zu üben, bis jeder Handgriff am Motiv, der Kamera und dem Rechner sitzt. 

Die Bildidee zu dieser Aufnahme aus der freien Prüfungsaufgabe stand lange vor der eigentlichen Prüfung fest

Die Bildidee zu dieser Aufnahme aus der freien Prüfungsaufgabe stand lange vor der eigentlichen Prüfung fest

Vorbereitung - auch ohne Aufgabenstellung 

Die zehn Gesellenstücke sind wohl der größte Brocken in der Prüfung und damit der Grund für zahlreiche zittrige Knie bei den Azubis. Doch auch hier gilt: Vorbereitung ist die halbe Miete. Immerhin können und sollen sogar die drei freien Aufnahmen von vorne bis hinten durchgeplant sein, solange man mit dem Fotografieren erst im angeordneten Zeitraum beginnt.

Doch auch die anderen Aufnahmen sind für aufgeweckte Azubis mit einem fundierten Grundwissen durchaus zu meistern. 

Ein weiterer Tipp: Achtet auf eure Abgaben. Steht in der Aufgabenstellung: „Abzugeben ist eine JPG-Datei mit maximal vier Megabyte Größe und in 30x20 Zentimeter.“, dann solltet das auch unbedingt eingehalten werden. Die Datei darf eben nur 4 MB haben, wenn sie 6 MB hat gibt es Punktabzug. Stimmen die Abgabeformate, sind das leicht verdiente Punkte. Das gilt sowohl bei den zehn praktischen Aufnahmen wie auch bei den Aufnahmen in der Berufsschule. Also unbedingt beachten!  

Abschließend also mein guter Rat für eure Abschlussprüfung: Macht euch keinen Kopf. Wiederholt das theoretische Fachwissen aus der Berufsschule, habt die grundlegenden Gestaltungsregeln im Kopf und haltet euch an euer fotografisches Gespür, das ihr euch in den letzten drei Jahren angeeignet habt. Was die tatsächlichen Prüfungsaufgaben angeht solltet ihr euch so gut es eben geht vorbereiten und gewisse Bildideen zu den unterschiedlichsten Produkten im Kopf oder in einem Skizzenbuch haben. Habt ihr die Theorie und die zehn Prüfungsaufnahmen hinter euch ist der Großteil der Prüfung bereits geschafft. In der abschließenden praktischen Aufgabe in der Berufsschule solltet ihr genau auf die Aufgabenstellung achten und aufgrund des Zeitdrucks zügig arbeiten. Das gilt sowohl für das Fotografieren, als auch für die Retusche selbst. Verliert euch hier nicht in Kleinigkeiten, sondern gebt ein in sich stimmiges Gesamtbild ab.

 

Übrigens: Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Handwerkskammer: https://www.hwk-muenchen.de/artikel/fotograf-in-74,0,6393.html