Fotografie-Lehre abbrechen?

Warum ich stark für eine klassische, handwerkliche Ausbildung in der Fotografie plädiere habe ich ja bereits in einem Blogeintrag geschrieben. Doch es gibt auch ein paar gute Gründe, warum die Ausbildung nicht der richtige Weg für einen selber sein kann. Und da ich das nie so gut beurteilen könnte wie jemand, der die Ausbildung auch tatsächlich abgebrochen hat habe ich mir prominente Unterstützung von der lieben Gloria geholt. 

Gloria hat mit mir zusammen 2015 die Ausbildung zum Fotografen hier in München angefangen, hat dann aber nach etwa zwei Jahren gemerkt, dass es doch nicht das Richtige für sie war und hat darauf die Ausbildung zur Fotografin abgebrochen. Interessanterweise arbeitet sie jetzt erfolgreich als selbstständige Hochzeitsfotografin, ganz ohne Ausbildung, quasi als Quereinsteigerin. Wie sie das geschafft hat, was für Gedanken sie während der schweren Entscheidungsphase geplagt haben und wie es ihr jetzt damit geht, das lest ihr in den folgenden Zeilen.

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1. Bist du glücklich mit deiner Entscheidung, die Ausbildung nach nur einem Jahr abgebrochen zu haben? 

Definitiv. Es war die absolut beste und richtige Entscheidung für mich! Ich habe es noch keinen Tag bereut und liebe mein aktuelles Leben!!

2. Was hat dich zu dieser Entscheidung gebracht und war es eine leichte für dich? 

Ich bin nicht ohne Vorkenntnisse in die Ausbildung gestartet und habe schon im Vorbereitungspraktikum auf meine Ausbildung Hochzeiten mitfotografieren dürfen! Ich habe also die Ausbildung nicht angefangen mit der Motivation, das Fotografieren zu lernen, sondern mit dem Traum am Ende mich als Fotografin selbstständig zu machen. Mit Fortschritt der Ausbildung habe ich mich immer öfter in der Situation wiedergefunden, in der ich meinem Ausbilder gewisse Hochzeitstrends oder neue Bearbeitungstechniken erklärt habe. Da habe ich schnell gemerkt, dass ich an die Grenzen des Wissens meines Ausbilders gestoßen bin (zumindest im Bezug auf die Richtung, auf die ich mich schon immer spezialisieren wollte). Als sich dann die Chance auf eine Assistentzstelle bei meinen Hochzeitsfotografie Idolen Carmen und Ingo ergeben hat, habe ich keine Sekunde überlegt und den Schritt in die Selbstständigkeit begonnen.

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3. Würdest du sagen, man braucht in der heutigen Zeit die Ausbildung, um als Fotograf erfolgreich zu sein?

Ich denke das hängt stark vom Typ-Mensch ab. Ich kann nur von mir sprechen und kann sagen, dass ich mir in den ersten 2 Wochen nach Abbruch der Ausbildung Video Workshops angesehen habe in denen ich den 2 Wochen mehr gelernt habe, als in den 2 Jahren davor. Vor allem Sachen, die ich heute in meinem täglichen Arbeitsalltag auch noch nach wie vor anwende. Wenn ich jetzt vergleiche mit den Learnings aus meiner Ausbildungszeit -  ich glaube da habe ich nicht viel mitgenommen, dass ich aktuell noch aktiv anwende.

Ich bin mit vielen Quereinsteigern in der Branche befreundet und alle sind der gleichen Meinung: es gibt so viel Weiterbildung im Bezug auf Fotografie und Business Themen im Netz. Wer da ein bisschen Geld investiert spart sich so viel Zeit!

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4. Was könnte man trotzdem in der Ausbildung lernen, was man vielleicht im Berufsleben erst auf die harte Tour feststellen musste?

Das ist eine schwierige Frage, denn ich finde darauf keine Antwort! Ich bin ein großer Fan von Netzwerken geworden! Ich bin inzwischen mit so vielen Kollegen gut befreundet, dass ich bei jeder Frage, die aufkommt immer weiß, wen ich fragen kann. In der Ausbildung hatte ich oft das Gefühl, dass jeder zum Einzelkämpfer erzogen wird: Das heißt: kein Wissen teilen und jeder andere Fotograf ist dein Konkurrent! Ich habe gelernt, dass wir alle Kollegen sind und nur wachsen können, wenn man sich gegenseitig hilft!

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5. Was würdest du jemanden raten, der mit dem Gedanken spielt mit der Ausbildung aufzuhören

Wenn du weißt, wo du hin willst, dann tu es!! Ich finde es in der heutigen Zeit, in der es so viele Fotografen gibt, sehr schwierig herauszustechen. Deswegen: wenn du weißt auf was du dich spezialisieren willst dann mach es. Ohne meine Assistenzstelle hätte ich aber den Absprung auch nicht gewagt. Also suche dir auch eine Assistenzstelle bei Fotografen, die du toll findest und die da sind, wo du hinwillst, oder investiere jetzt schon in Weiterbildung und bleibe so lang in der Ausbildung, bis du einen Plan für dich gemacht hast, wie du gleich in eine erfolgreiche Selbstständigkeit starten kannst!

Wenn ihr mehr von Gloria hören und sehen wollt dann folgt ihr auf Instagram unter dem Namen gloriaschwan (https://www.instagram.com/gloriaschwan) oder besucht ihre Homepage (https://gloriaschwan.com).

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