Blogeintrag

Die Fotografie entschleunigen

Drei Tage Aufwand für nur ein Bild - Der Königssee um 3 Uhr Nachts

Drei Tage Aufwand für nur ein Bild - Der Königssee um 3 Uhr Nachts

Ich möchte mit diesem Eintrag mal etwas Grundsätzliches ansprechen. Kameras werden immer schneller, Speicherkarten werden schneller. Das Bearbeiten wird dank technisch stärkeren PCs und optimierter Software ebenfalls immer schneller. Muss daher der Fotograf automatisch auch schneller werden? Wenn man nicht gerade Sportfotograf ist dann von mir ein klares Nein.

Wieviel ist ein Bild noch wert?

Heutzutage verliert die Fotografie gefühlt an Bedeutung. Wir zücken bei jeder, sich bietender Gelegenheit das Smartphone, öffnen die Kamera-App und lösen vollautomatisiert aus. Das mag hilfreich sein, um den besonderen Moment mit seinen Freunden festzuhalten oder sich die Zählerstände auf dem Stromzähler merken zu können. Mit Fotografie hat das aber nichts zu tun. Denn in der Fotografie geht es auch um das Auseinandersetzen mit dem Motiv, um das Analysieren des Lichts und um das Beherrschen der Kamera. Und diese drei Dinge brauchen vor allem eines: Zeit.

Entstanden auf einer Fototour im Frühling

Entstanden auf einer Fototour im Frühling

Mach mal langsam!

Früher schnallte ich bei einer Fototour die Kamera an meinen Schultergurt und hatte sie so immer griffbereit auf Hüfthöhe. Bei jedem Motiv zog ich sie nach oben, konnte sie in wenigen Sekunden einstellen und auslösen. Typischerweise landeten so am Ende einer Fototour immer unzählige Bilder auf der Speicherkarte und später auf der Festplatte. Natürlich wollten alle Bilder nochmal durchgesehen werden, einige davon wurden bearbeitet und zwei oder drei in den sozialen Netzwerken geteilt. Dabei war der Ausschuss an Bildern enorm verglichen mit dem Ergebnis, das am Ende rausspringen sollte. Was für ein Aufwand.

Als ich das eingesehen habe zwang ich mich zum Umdenken. Ich wollte die Fotografie auch neben meinem Beruf als Fotograf wieder ernster nehmen, sie und mich entschleunigen und wieder bewusster fotografieren. Nach tiefgehender Recherche definierte ich für mich drei Regeln, um der Fotografie endlich wieder die Bedeutung zukommen zu lassen, die sie für mich auch verdiente:

Für dieses Bild hat es sich gelohnt die Kamera aus dem Rucksack zu holen

Für dieses Bild hat es sich gelohnt die Kamera aus dem Rucksack zu holen

Regel 1 - Die Kamera bleibt im Rucksack!

Ich nutze weder Schultergurt noch Handschlaufe mehr, stattdessen bleibt die Kamera im Rucksack. Das scheint zwar relativ simpel, erzielt aber einen großen Effekt. So ist es für mich sehr viel mehr Aufwand die Kamera erst aus dem Rucksack zu holen, bereit zu machen und dann abzudrücken. Man überlegt sich daher zweimal ob sich das Motiv wirklich lohnt, abgelichtet zu werden. Zusätzlich kann man sich, während man die Kamera bereit macht schon Gedanken über Bildkomposition, Einstellungen und Perspektive machen.

Regel 2 - Stativ ist Pflicht!

Egal ob Makro- oder Landschaftsfoto: Ausgelöst wird nur auf einem Stativ. Denn auch das Aufbauen des Stativs braucht erstmal Zeit. Und das hilft beim Entschleunigen. Zusätzlich dazu kann ich mich mit einer statischen Kamera genauer mit Bildaufbau sowie Bildausschnitt beschäftigen. Natürlich heißt das nicht, dass zu jeder Fototour das große Studiostativ mitgeschleppt werden muss. Bereits ein kleines Reisestativ wie beispielsweise das Manfrotto BeFree Advanced reicht völlig aus. So ein Reisestativ nimmt wenig Platz weg, ist schnell aufgebaut und bietet eine solide Basis für die Kamera.

Regel 3 - Das Bild im Kopf haben

Visualisierung, ein Wort das gefühlt aus dem Sprachgebrauch eines Motivationstrainers kommt. Doch auch Fotografen sollten visualisieren. Und zwar das Bild, was sie letztendlich erreichen möchten - für das es sich lohnen würde, die Kamera aufzubauen. Mit diesem Ziel vor Augen arbeitet man nicht einfach drauf los, wenn man die Kamera aus dem Rucksack holt. Sicherlich kommt ein großer Teil der Visualisierung durch Erfahrung, doch sich immer wieder genau zu überlegen, ob ein Motiv ein Foto wert ist entschleunigt die eigene Fotografie um ein vielfaches.

Mit externen Kamera-Apps lässt sich die Verschlusszeit der Smartphone-Kamera steuern

Mit externen Kamera-Apps lässt sich die Verschlusszeit der Smartphone-Kamera steuern

 Auch das Smartphone ist eine Kamera!

Übrigens lässt sich das Prinzip der Entschleunigung nicht nur auf Fototouren sondern auch im alltäglichen Fotografieren anwenden. Wer jetzt behauptet, nicht immer eine Kamera, DSLR oder Spiegellose dabei zu haben mag richtig liegen. Doch heutzutage hat jeder fast überall sein Smartphone dabei. Noch sind diese ihren spezialisierten Vorbildern mit den kleinen Sensoren und fixierten Blendenöffnungen zwar unterlegen, trotzdem kann mit heutigen Smartphones auch ernsthafte Fotografie betrieben werden!

Allerdings ist es nicht damit getan, das Handy zu entsperren, die Kameraapp zu starten und den Auslöser zu drücken. Die herstellereigenen Kameraapps von Android und Apple sind von vornherein auf einfache Bedienung ausgelegt, beinahe wie die alten Point-and-Shoot-Kameras von 2010. Jedoch gibt es starke App-Alternativen, die tief-gehende Änderungen an den Einstellungen oder den Aufnahmeparametern zulassen. 

Die Kamera-App „Moment“ lässt viele manuelle Einstellungen zu, darunter ISO, Verschlusszeit und RAW-Aufnahme

Die Kamera-App „Moment“ lässt viele manuelle Einstellungen zu, darunter ISO, Verschlusszeit und RAW-Aufnahme

Eine absolute Empfehlung von mir ist beispielsweise die App „Moment“. Moment stellt eigentlich Objektive für Smartphones her, in ihrer App lassen sich aber Belichtungszeit und ISO, Fokus und RAW ganz einfach einstellen.

Auf der Video-Seite empfehle ich die App FiLMIC Pro, zu der es einen eigenen Blogpost geben wird.

(Zugegebenermaßen ist die native Android-App schon sehr viel weiter in Sachen manueller Einstellung als die von Apple.)

Übrigens: Wenn ihr das Thema „Fotografie entschleunigen“ auch im Video erfahren möchtet kann ich euch den Fotografen Thomas Heaton empfehlen (https://www.youtube.com/channel/UCfhW84xfA6gEc4hDK90rR1Q).  Er ist mit einer der besten, wenn es darum geht, bewusst zu fotografieren. Also schaut mal bei ihm vorbei!

Droht das Ende von APS-C?

Droht das Ende von APS-C?

Photokina 2018 - Panasonic stellt mit S1 die erste Vollformat-Kamera des Unternehmens vor. Leica und Sigma gründen zusammen mit Panasonic die L-Allianz mit dem Ziel, den Vollformat-Markt zu erobern. Canon und Nikon bringen kurz vor der photokina ihre spiegellosen Kleinbild-Kameras EOS R beziehungsweise Z6 und Z7 raus. Zeiss überrascht die Branche ebenfalls mit einer Vollformat-Kamera.

Und was tut sich derweil im APS-C Sektor? Nichts. - Ist das Aufkommen von immer mehr hochwertigen Kleinbild-Kameras gleichzeitig das Todesurteil von APS-C Sensoren?

MacBook, Surface Book oder iPad Pro

MacBook, Surface Book oder iPad Pro

Nach 5 Jahren mit einem Surface Pro 2 stand für mich endlich ein neues Notebook auf dem Einkaufszettel. Warum ich mich nach langem Überlegen gegen ein Macbook und für ein iPad Pro entschieden habe lest ihr ab sofort auf meinem Blog.