Farbkontraste

Ziel in der Fotografie sollte es immer sein, in der Aufnahme wichtiges von unwichtigem zu trennen. Dazu hat der Fotograf technische und gestalterische Mittel.

Zum einen kann das Hauptmotiv durch einen Scharf-Unscharf-Kontrast, etwa durch eine geöffnete Blende vom Hintergrund gelöst werden. Oder man schafft durch einen Mitzieher Bewegungsunschärfe im Bild.
Eine gestalterische Möglichkeit, eine deutliche Figur-Grund-Beziehung herzustellen ist die gezielte Lichtsetzung, etwa durch Lichtkanten, Einspiegelungen oder einen andersfarbigen Hintergrund. 
Eine sehr kreative gestalterische Möglichkeit bieten die insgesamt sieben Farbkontraste. Gerade in Verbindung mit den oben genannten Möglichkeiten lassen sich so das Hauptmotiv sehr gut vom unwichtigen Rest der Aufnahme trennen und der Blich des Betrachters gezielt steuern.


Zugegeben, ein paar der Kontraste ergeben sich bei einem farbigen Bild schon fast von selbst, etwa der Farbe-an-Sich-Kontrast. Andere hingegen müssen gezielt gesucht oder eingesetzt werden und selbst dann ist ihre Wirkung meist eher subtiler Natur. Versucht man einen Kontrast mit aller macht zu erzwingen, kann das Bild schnell künstlich und gestellt aussehen. Kombiniert man stattdessen aber mit viel Feingefühl verschiedene Farbkontraste im Bild, so gewinnt die Aufnahme oftmals an Spannung.
Nachfolgend sind die sieben Farbkontraste immer mit Beispielbildern gezeigt. 

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Kalt-Warm-Kontrast

Der Kalt-Warm-Kontrast entsteht immer dann, wenn eine kalte Farbe (z.B. Blau) zusammen mit einer wärmeren Farbe (z.B. Gelb, Orange oder Brauntöne) auftritt. Der Fotograf kann hier ganz gezielt mit dem Temperaturempfinden des Betrachters und dessen Temperatur-Assotiationen spielen. Warmes wirkt meist näher, Kaltes tritt eher in den Hintergrund. Warme Farben wirken freundlich, kalte Farben eher distanziert.

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Farbe-an-sich-Kontrast

Der Farbe-an-sich-Kontrast entsteht bereits, wenn zwei unterschiedliche Farbflächen zusammen auf einem Bild liegen. Die Farbflächen bilden selbst bereits einen recht starken Kontrast. Die entstehende Wirkung kann durch andere Kontraste noch erhöht werden (Warm-Kalt / Komplementärkontrast). Der Farbe-an-Sich-Kontrast ist auch von der Sättigung der einzelnen Farben abhängig.

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Qualitätskontrast

Der Qualitätskontrast entsteht, wenn verschiedene Abstufungen einer Farbe in einem Bild auftauchen. So bildet beispielsweise leichtes Himmelblau mit einem gesättigten Meerblau einen Qualitätskontrast. Der Kontrast wird umso stärker, je unterschiedlicher die Sättigung der verwendeten Farben ist. Die Sättigung ist dabei von der Beimischung von Schwarz oder Weiß zur Farbe abhängig.

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Quantitätskontrast

Der Quantitätskontrast beschreibt das Größenverhältnis von Farbflächen zueinander. Steht eine kleine Fläche mit Farbe X und eine größere Fläche Y in der Aufnahme bilden sie einen Qualitätskontrast. Der Kontrast wirkt dabei umso stärker, je ausgeprägter der Größenunterschied beider Farbflächen zueinander ist. Für einen möglichst deutlichen Kontrast sollten nicht zu viele Flächen zu sehen sein.

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Hell-Dunkel-Kontrast

Der Hell-Dunkel-Kontrast entsteht zwischen einer hellen und einer dunklen Farbe. Der größte Kontrast entsteht dabei zwischen Schwarz und Weiß. Durch diesen Kontrast lässt sich schwarze Schrift auf weißem Grund auch am besten lesen. Gerade monochrome Aufnahmen leben vom starken Hell-Dunkel-Kontrast. Aber auch farbige Flächen lassen sich so sehr gut vom Hintergrund lösen.

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Komplementärkontrast

Komplementärfarben sind solche, die sich im Farbkreis gegenüberstehen.
Bei der Mischung von zwei Komplementärfarben entsteht Grau. Der Komplementärkontrast ist somit eine Gegenüberstellung zweier Komplementärfarben, z.B. Rot und Cyan oder Blau und Gelb. Komplementärfarben haben die Eigenschaft, sich gegenseitig in Ihrer Leuchtkraft zu verstärken, sie wirken optisch kräftiger.

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Simultankontrast

Als Simultankontrast beschreibt man die Beeinflussung einer Farbe durch eine andere. Das bedeutet nebeneinander liegende Farbflächen besitzen eine Wechselwirkung bezüglich des Farbkontrastes zueinander. Der Simultankontrast wirkt sich dabei ausschließlich auf das subjektive Farbempfinden aus. Unser Auge bildet zu jeder Farbe automatisch die Komplementärfarbe, wenn diese nicht im Bild
vorhanden ist. Der Simultankontrast entsteht immer dann, wenn die Zapfen in unserem Auge für die Farbwahrnehmung einseitig hoch angeregt werden. So werden bei einem roten Gegenstand die Zapfen für „rote“ Wellenlängen besonders gereizt und ermüden so nach einiger Zeit. Dann kommt es zu einer stärkeren Wahrnehmung der blauen und grünen Farben.
Der Simultankontrast wirkt äußerst subtil, ist meist gar nicht wahrzunehmen.